Seit Anfang August ist unsere Statue des Hl. Johannes Nepomuk in der Ausstellung „Moldau – berühmt und schiffbar“ zu sehen.
Die Ausstellung „Die berühmte und schiffbare Moldau“ ist das Hauptprojekt des gleichnamigen Vorhabens, das 2025 vom Nationalen Kulturerbeinstitut gemeinsam mit Partnern anlässlich des 150. Jahrestages der Uraufführung von Bedřich Smetanas sinfonischer Dichtung „Die Moldau“ organisiert wird. Bis zum 4. Januar 2026 kann unser Hl. Johannes Nepomuk noch bei seinem Ausflug in andere Gefilde besichtigt werden.
Wir stellten uns natürlich die Frage, was machen wir mit der Lücke die am angestammten Platz am Hochaltar entstanden ist. Recht schnell hatten wir uns darauf verständigt, unsere Künstlerin Sylva Pauli um Rat zu fragen und zu bitten, ob Sie hatte eine wunderbare Idee. Aber lesen Sie selbst, was die Künstlerin dazu sagt. Auch die Bilder der Installation möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.
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Sehr geehrter Pater Lothar,liebe Schwestern und Brüder,unsere Kirche Sankt Johannes Nepomuk am Felsen hat lange 200 Jahre auf ihrem Hochaltar die Holzstatue von Johannes Nepomuk aufbewahrt. Der barocke Bildhauer und Holzschnitzer JanBROKOFF inspirierte sich 1682 an einer kleinen Statue des Wiener Bildhauers Matthias RAUCHMILLER (diese kleine war die erste), und schnitzte mit einem Gefühl für das Detail eine neue Statue des Bittstellers Johannes Nepomuk in Lebensgröße. Nach dieser Brokoff Statue wurde nicht nur die Statue für die Karlsbrücke in Bronze gegossen, sondern sie ist zu einem IkonografischenTypus des Sankt Johannes Nepomukt´s geworden. Johannes Nepomuk gehörte in der österreichischen Monarchie zu den bedeutendsten Heiligen und später hat sich dieser Bittsteller alsBeschützer an den Brücken und Kreuzungen der Wege in die ganze Welt verbreitet.
Am 5.August dieses Jahres um 10:00 vormittags war es so weit, dass diese Statue für ein ganzes Jahr unseren Hochalter verlassen hat. Sie wird restauriert und dann Bestandteil einer Ausstellung über die Moldau werden.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Pater Lothar, Thomas SCHWEINHUBER und Reinhard KAISER und vor allem bei der ganzen Deutschsprachigen Katholischen Pfarrei Prag für ihr Vertrauen bedanken, dass ich diesen einmaligen Raum mit einer Installation als Erinnerung an St. Johannes Nepomuk (SJN) wieder ergänzen durfte. Meine Installation deutet in der Mitte an der vertikalen Achse eine Brücke mit drei Bögen aus Spiegeln an. Das ist die Brücke für SJN. Sie spiegelt die Dualität seiner Welt und Seele. Sie spiegeltrechte und linke Seite, die in sieben Ebenen also Etapen seines Leben hinaufsteigen. Je mehr leeres Weiß, desto näher war er dem Himmel. Beide Seiten erzählen über das Böse und das Gute, über das Ewige und über das Scheinbare. Die abstrakten Bilder ermöglichen uns das Unbrennbares zu äußern.
Johánek z Pomuku wurde irgendwann zwischen 1340 und 1350 geboren und sein Märtyrertot ist mit dem Jahr 1393 verbunden. Die interessante Frage ist, wer diese mutige Persönlichkeit war, woran er glaubte und wie seine damalige Welt war. Jan sprach tschechisch und deutsch. Er war ein fleißiger Student und sein Studium in Böhmen schloss er an der Prager Universität ab. Damals beherrschte er schon Lateinisch. Johannes Nepomuk begann zwischen 20 oder 30 als ein öffentlicher Notar tätig zusein und seine Kariere beendete er als der Vikar des Prager Erzbistums.In den Jahren 1383 bis 1387 studierte er zwischen 33 oder 43 in Padova kirchliches Recht. Er sprach bestimmt auch italienisch. In Norditalien wurde er mit der Protorenaissance sog. Trecento konfrontiert. Diese war zum Unterschied des restlichen Europas eine neue kulturelle Strömung mit einem völlig neuen Lebensstyl und Weltanschauung. Das musste für Johannes Nepomuk ein großes Ereignis in seinem Leben sein. Plötzlich geriet das Leben des Einzelnen im Diesseits mit seinen irdischen Angelegenheiten in dem Mittelpunkt. Man glaubte an sich selbst und eine gute von der Antike beeinflusste Ausbildung gehörte dazu. Er ist ein Renaissance Mensch geworden.
Er las viel und lateinisch. Meiner Meinung nach fühlte er sich im Netz von lateinischen Zitaten richtig wohl. Da war auch seine tiefe Überzeugung an die Gerechtigkeit und das göttliche Gute. Für die Installation habe ich einige lateinische Zitate ausgesucht, die schon zur Zeit von SJN Tausend bis zwei Tausend Jahre alt waren und bildeten bestimmt einen fixen Bestandteil seines Denkens. Ich lese sie auf Lateinisch und Deutsch von unten hinauf vor.
ANIMUM DEBES MUTARE, NON CAELUMSeneca jun. Du muss deine Einstellung ändern, nicht den Himmel
ORA ET LABORA Bete und arbeite Sv.Benedikt aus Nursie
VIS MAIOR Höhere Gewalt
GUTTA CAVAT LAPIDEM Ein Tropfen höhlt den Stein Ovidius
PACTA SUNT SERVANDA Verträge sind einzuhalten
LIBERTAS INAESTIMABILIS RES EST Die Freiheit ist eine unschätzbare Sache
AD REM Zur Sache
MODUS VIVENDI Art zu leben / Provisorische Lösung
DURA LEX, SED LEX Das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz
AUREA MEDIOCRITAS Goldener Mittelweg
NOMEN OMEN Der Name ist ein Zeichen
TABULA RASA Reiner Tisch
TERRA INCOGNITA Unbekanntes Land
NON OMNIS MORIAR Obwohl ich sterbe, werde ich nicht sterben
Das wurde Johannes Nepomuk tatsächlich erfüllt. Wenn Sie von der Installation von links nach rechts und umgekehrt gehen, wird sich in dem Spiegeln auch unsere Kirche spiegeln, das heißt, Sankt Johannes Nepomuk ist auch heute wie vor 632 Jahren unter uns für Sie da.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Sylva Pauli








